Donnerstag, 17.01.2019, 19:30 bis 21:00 Uhr
Vom Goldenen Kalb zum Sonntagsbraten

Das Tier in Mythos, Literatur und Malerei

Die Rolle von Tieren und ihrer Repräsentation in den Traditionen und der Ideengeschichte menschlicher Gesellschaften rückt immer stärker in den Fokus kulturwissenschaftlicher Betrachtung, definiert sich doch das Menschenbild - auch aus der Perspektive des Schöpfungsberichts - nicht zuletzt durch die Definition eben dieser Beziehung zwischen Mensch und Tier.
Dem Tierbild kommt dabei seit jeher überragende Bedeutung zu. In archaischen Mythen verkörpert das Tier wissende Macht und gilt als Vermittler und Seelenführer zwischen Geistern und Menschen oder ist gar Gottheit selbst. Märchen vermitteln uns diese Rolle des Tieres noch heute.
Später bildeten Tierbilder spezielle ikonographische Muster aus - allein in der christlichen Ikonographie finden wir zahlreiche Beispiele wie die Taube, das Lamm oder den Fisch.
In Literatur und Kunst repräsentieren Tiere das Unheimliche, wie etwa in Jeremias Gotthelfs Novelle „Die schwarze Spinne“, stehen für menschliche Zustände wie „das Ungeziefer“ in Kafkas „Verwandlung“ oder fungieren als des Menschen treue Begleiter wie der Jagdhund Krambambuli in Marie von Ebner-Eschenbachs gleichnamigem Werk. In Goethes „Reineke Fuchs“ oder in Orwells „Farm der Tiere“ treffen wir auf ganze Tierstaaten und -gesellschaften, die Menschliches und allzu Menschliches versinnbildlichen.
In der bildenden Kunst wiederum begegnen wir dem wohl berühmtesten Tier der Kunstgeschichte, Dürers Hasen; spüren mit Franz Marc in der Tierseele dem Ursprünglichen und der Sehnsucht nach dem Vollkommenen nach und befassen uns mit der Aktionskunst von Joseph Beuys, in der ein Kojote eine wesentliche Rolle spielt.
Das Tier überlebt in der Gegenwart als populäres Symbol, das den naturfernen Alltag belebt, etwa als Träger von Werbebotschaften, und findet in der Welt des Konsums neue, profane Funktionen.

In der Technik der Medien, die nun Nahaufnahmen wie nie zuvor ermöglichen, liegt nun die Chance, ein neues Gefühl der Empathie und der Werthaltung unseren Mitgeschöpfen gegenüber zu entwickeln

Referentinnen

Mag. Dr. Edith Posch, Literaturwissenschaftlerin, Lehrtätigkeit, Vortrags- und Publikationstätigkeit an verschiedenen Bildungseinrichtungen und Erwachsenenbildungsorganisationen, Tätigkeiten im Bereich der Kunst-und Kulturvermittlung.

Mag. art. Helga Stenzel, Ausbildung zur Sonderpädagogin mit Schwerpunkt: Gestaltungstherapie und techn. Werken. Studium der Malerei/Grafik an der Akademie der Bildenden Künste Wien. Seit 2000 an der PH Graz und an der Fachschule für Sozialberufe der Caritas tätig.

Teilnahmebeitrag: € 10,00


Die Teilnahme beider Abende ist zu empfehlen!

Ökologie &
Gesellschaft
Vortrag / Kursnummer: 19-191